HAMBURG (2010 FIBA U17 World Championship) – Die Deutsche Nationalmannschaft hat nach einer schwachen ersten Hälfte in den zweiten zwanzig Minuten die Wende geschafft und ihr letztes Vorrundengruppenspiel gegen Korea mit 78:68 durchgesetzt. Natürlich war vorhersehbar – das hatten die ersten vier Spieltage der Gruppe B geszeigt –, dass Korea ein hohes Tempo anschlagen würde. Und es war auch weitreichend bekannt, dass die Asiaten bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen Schuss in Richtung Korb abfeuern würden. Die deutsche Mannschaft wusste nur zu gut, was sie erwarten würde, und doch fand sie zu Beginn der Partie kein Mittel dagegen (7:8, 3. Minute). Besnik Bekteshi (24 Punkte) und Jakob Krumbeck (18 Punkte) gingen mit gutem Beispiel voran und und attackierten immer wieder die Ball-Raum-Verteidigung Koreas – mit mäßigen Erfolg, aber immerhin versuchten sie es. Auf der Gegenseite hatte Kim Hyeongjun (26 Punkte ein heißes Händchen, versenkte jeden seiner drei Dreierversuche und kam allein im ersten Viertel auf starke 17 Zähler. Insgesamt versenkte das Team aus Fernost im ersten Abschnitt fünf seiner sechs Distanzversuche (17:29, 10. Minute).
Deutschland bemühte sich ab dem zweiten Viertel vermehrt darum, das Tempo unter Kontolle zu bekommen. Krumbeck und Co. standen in der eigenen Hälfte nun zwar besser, vorn jedoch wollte immer noch kein richtiger Spielfluss zustande kommen. Pässe über die gesamte Verteididung Koreas hinweg kamen zwar an, jedoch nahmen sie nur unnötig viel Zeit von der 24-Sekunden-Uhr, so dass am Ende des Ballbesitzes oft schwere Würfe mit der Hand des Gegners im Gesicht genommen werden mussten. Da die Asiaten von außen auch nicht mehr so traumhaft sicher vollstreckten kam der WM-Gastgeber bis zur Pause etwas heran (31:40, 20. Minute).
Die Devise für die zweite Hälfte lautete ganz klar: attackieren, attackieren, attackieren! Dies tat vor allem Besnik Bekteshi, der nicht nur unaufhörlich in die Zone penetrierte und zwischendrin auch einen langersehnten Dreier einstreute. Sondern es war sein langer Fastbreak-pass auf Paul Albrecht, der den Ausgleich herstellte (43:43, 26. Minute). Den Dreier zur Führung netzte kurz darauf Krumbeck ein (46:45, 27. Minute) – der offensive Bann schien gebrochen. Menz' Schützlinge agierten fortan mit dem Selbstvertrauen, welches sie bei den ersten beiden Partien der Weltmeisterschaft gegen Kanada und Spanien ausgezeichnet hatte (50:48, 30. Minute).
Deutschland wahrte das Momentum und baute den erst knappen Vorsprung dank – wie konnte es anders sein – Bekteshi weiter aus (61:53, 35. Minute). Der Ludwigsburger Guard war die zentrale Figur im Spiel des Gastgebers, und auch der Jüngste im Team, Malik Müller (11 Punkte), zeichnete sich durch seinen Einsatz beim Rebound und seine Furchtlosigkeit beim Zug zum Brett aus. Dem Urspringschüler war es vorbehalten, die Differenz per Korbleger in den zweistelligen Bereich zu schrauben (72:62, 39. Minute). Trotz der vermeindlich klaren Führung trieb Menz seine Schützlinge unentwegt nach vorn, um den Vorteil auf der Schlussgeraden nicht noch einmal zu gefährden.
Stimmen zum Spiel:
Frank Menz (Trainer Deutschland): „Ich bin sehr zufrieden mit unserer Leistung. Wir haben uns sehr schwer gegen Koreas Zone getan. In der zweiten Hälfte haben wir endlich unser Selbstbewusstsein wiedergefunden und so das Comeback initiieren können.
Kim Seung Hwan (Trainer Korea): „Danke an Deutschland für dieses wirklich gute Basketballspiel. Am Ende waren wir leider müde und haben nicht mehr so gut verteidigt wie noch in der ersten Hälfte.“